Familienfestival
Download Familienfestival PDF/ePub or read online books in Mobi eBooks. Click Download or Read Online button to get Familienfestival book now. This website allows unlimited access to, at the time of writing, more than 1.5 million titles, including hundreds of thousands of titles in various foreign languages.
Das Familienfest. Erzählungen
Erzählungen eines der bedeutendsten Dichter der Moderne Der Band enthält eine Auswahl von acht frühen Erzählungen Rilkes aus den Jahren 1897–1901. Hier sind experimentierfreudige Texte eines jungen Autors zu entdecken, voller rätselhafter Figuren und facettenreicher Geschehnisse. Das Familienfest schildert auf groteske Weise die verlogenen Konventionen bei einer Familienfeier; Greise porträtiert liebevoll drei alte Sonderlinge. Rilke erzählt von Albrecht Ostermann, der nach einem Spaziergang einfach verschwindet und aus seinem bürgerlichen Leben ausbricht, und von Ewald Tragy, der sich mühsam aus familiären und gesellschaftlichen Fesseln befreit, um Dichter zu werden. Mit einem Nachwort und Anmerkungen.
Das Familienfest
Author: Rainer Maria Rilke
language: de
Publisher: BoD – Books on Demand
Release Date: 2022-08-15
Das Familienfest ist eine Erzählung von Rainer Maria Rilke. Auszug: In der ersten Betbank erhob sich Herr Stanislaus von Wick, der Bruder des seit acht Jahren verstorbenen »treuen Knechtes Antonius«, und schneuzte seine Rührung aus. Als die Seelenmesse überstanden war, ging Herr Stanislaus, als Familienoberhaupt, voran, und hinter ihm lösten sich ein paar schwarzgekleidete Frauen aus den finsteren Bänken los. Auf der Straße reichte er seiner Schwester, der alten Majorin Richter, den Arm, und die anderen folgten zu zweien. Niemand sprach. Alle hatten lichtscheue Augen, die verweint aussahen, und gähnten vor Hunger und langer Weile. Die Familie sollte bei der Tochter des seligen Herrn Anton, Frau Irene, verwitweten Horn, geb. von Wick, zu Tische sein, und die Frau Majorin schlug ein ihrer Behäbigkeit stetig widersprechendes Schrittmaß ein, dessen Ungeduld mit dem pedantischen Trauermarsch ihres steifen Bruders schlecht zusammenpaßte. Herr Stanislaus merkte das sinnlich-irdische Streben ihrer Füße und sagte wie ermahnend: »Der arme Anton.«