Ehrlich gesagt: Das Buch hätte ich vielleicht nach 20 Seiten weggelegt. Weil man doch etwas Zeit braucht, sich mit Johnsons Figuren, diesen Ausgestoßenen und Zukurzgekommenen, anzufreunden und warm zu werden. Das Warmwerden und Dabeibleiben erleichtert im Fall des Hörbuchs die vertraute und so souveräne Stimme Christian Brückners, der gerade beim teilweise spröden Stil Johnsons die innere Schönheit dieses Textes hör- und fühlbar macht.
Wenn man Johnson hört, muss man an Raymond Carver und seine traurigen Gestalten denken. Mehr aber noch an Cormac McCarthy und seinen Roman Verlorene über die dunklen Ränder der amerikanischen Gesellschaft. Und was den einen oder anderen vielleicht stören könnte, dass man bei Brückners Stimme an Hollywood Schauspieler wie Harvey Keithel oder Robert DeNiro, die er seit Jahren synchronisiert, denken muss, ist im Fall von Engel eher ein zusätzlicher Reiz: Kino im Kopf, und eine großartig erzählte Geschichte über die Schattenseiten des amerikanischen Traums. --Christian Stahl
Spieldauer: 470 Minuten, 6 CDs, ungekürzte Lesung.